Fondsmanager im Fokus: Bevorstehende Staatsanleihenkäufe der EZB lösen Hausse an den Rentenmärkten aus

André Horn (Fondsmanager inprimo Invest)

André Horn (Fondsmanager inprimo Invest)

Manch ein Anleger reibt sich verwundert die Augen: Krisenherde überall in der Welt, trotzdem liess sich mit dem DAX in 2015 schon rund 10% verdienen, selbst bei den totgesagten Bundesanleihen stehen die Jahreserträge bei rund 1%, einem vielfachen des aktuellen, jährlichen Renditeversprechens.

Wie geht es nun weiter? Positionierungs- und Stimmungsindizes vermitteln ein durchweg noch akzeptables Niveaus, allerdings bei steigenden Risiken. Die gängigen Volatilitätsindizes auf den DAX oder den amerikanischen Aktienmarkt signalisieren historisch gesehen normale, jedoch deutlich höhere Niveaus als in 2014. Selbst das Niveau des VDAX vom Korrekturmonat Oktober 2014 wurde Anfang Januar 2015 schon überschritten. Geopolitsche Risiken in der Ukraine oder im Mittleren Osten beherrschen die Schlagzeilen, gleichzeitig versucht die neue, griechische Regierung die EU von ihrer innovativen Politik „zu überzeugen“. Auch die aktuelle Saison der Unternehmensergebnisse für das 4. Quartal 2014 läuft eher uninspirierend.

Warum sind Aktien dann hierzulande weiterhin gesucht? Während der Amtszeit des amerikanischen Notenbankpräsidenten Alan Greenspan (1987-2006) schuf der Kapitalmarkt den Begriff des „Greenspan-Puts“. Demnach konnte die Notenbank nach Ansicht Greenspans im Krisen- oder Crash-Fall Aktien kaufen, um den Markt zu stabilisieren. Mit dieser und anderen Aussagen und Maßnahmen hat Greenspan die Hausse am US-Aktienmarkt während seiner Amtszeit kräftig befeuert. Das „whatever-it-takes“ von EZB-Präsident Mario Draghi erinnert an diese Art der Marktkommunikation. Auch hier wird den Investoren suggeriert, dass im Krisenfall die Zentralbank, auch wenn sie nicht das Ziel höherer Aktienkurse verfolgt, den „Markt retten“ wird. Ähnlich wie unter Greenspan kann dies nur befristet funktionieren. Dies mag sich irgendwann einmal entladen. Irgendwann…aus den USA wissen wir, dass es Jahre dauern kann. Bis dahin erfreuen wir uns an festen Aktienmärkten sowie der Gewissheit, dass die EZB als marginaler Käufer auch einen Renditeanstieg am Rentenmarkt, den viele fürchten, kontern kann. Tatsächlich können der Anlagenotstand in Europa sämtliche Renditeanstiegsversuche als Einstiegsgelegenheit verpuffen lassen.

Noch spielt das Orchester, aber Rückschläge wie in 2014 werden wahrscheinlicher, möglicherweise auch in größerem Umfang als im Vorjahr. Solange der Kapitalmarkt von der Entscheidungskraft des Mario Draghi überzeugt bleibt, werden diese Korrekturen vermutlich gute Einstiegszeitpunkte darstellen. Die aktuellen Konjunktur- und Stimmungsdaten in Europa stützen diese Einschätzung zusätzlich. So liegt die Erwartungskomponente des Sentix-Konjunkturindex für Euroland auf einem 9-Jahres-Hoch. Und wenn sich dann noch Griechenland mit der EU einigt…

Fondsmanager im Fokus: Alles eine Frage des Blickwinkels

D_Hardt

Daniel Hardt (Fondsmanager G|D|W)

Sind Aktien zu teuer? „Ja!“, rufen viele Charttechniker und verweisen einerseits auf die zahlreichen Höchststände, die DAX, S&P 500 & Co in den letzten Monaten erklommen haben, und andererseits auf die aktuelle Abstinenz nennenswerter Marktkorrekturen. Der DAX hat, gemessen an seinem Höchststand vor der Lehman-Krise im Jahre 2007, jährlich ca. 4,6% zugelegt. Bezogen auf seinen Tiefpunkt im Jahre 2009 sind es sogar über 20% pro Jahr! Abgesehen von den beiden kleinen Marktkorrekturen im vergangenen Sommer und Herbst liegt der letzte richtige Rücksetzer schon beinahe vier Jahre zurück. Was liegt da näher als eine drohende Kurskorrektur?

Ähnlich sehen dies viele sogenannte „Value-Investoren“ und berufen sich z.B. auf das bekannte Shiller-Kurs-Gewinn-Verhältnis (Cape-Ratio), das den Marktwert des Unternehmens mit den durchschnittlichen inflationsbereinigten, kumulierten Unternehmensgewinnen über einen Zeitraum von zehn Jahren vergleicht. Nach dieser Kennzahl sind amerikanische und japanische Aktien mittlerweile sehr hoch bewertet und auch deutsche Aktien nicht mehr günstig zu erwerben. Interessanterweise gelten nach diesem Maß spanische sowie griechische Aktien weiterhin als attraktive Geldanlagen.

Gemeinsam haben die Vertreter beider Investmentphilosophien, dass sie etwas ratlos auf die Geldpolitik der großen Zentralbanken verweisen und deren Nachhaltigkeit in Frage stellen. Die Notenbanken sorgen mit ihrer Niedrigzinspolitik und ihrer Liquiditätsflut für eine beispiellose Jagd auf Renditen, die nun dazu geführt hat, dass liquide Zinsprodukte kaum noch rentabel sind und viele Investoren sich daher Aktien zuwenden „müssen“. Dies ruft wiederum eine dritte Anlegerphilosophie auf den Plan, die auf den aktuellen Anlagenotstand hinweist und Aktien als alternativlos ansieht. Viele ihrer Vertreter sind sich zwar bewusst, dass eine Abkehr von der Niedrigzinspolitik die Aktienbewertungen vor Herausforderungen stellen würde, sehen diese Abkehr allerdings noch nicht in naher Zukunft. Andere argumentieren wiederum, dass die großen Börsenunternehmen in den letzten Jahren durch Produktivitätssteigerungen, Einsparungen und Liquiditätsaufnahmen so robust aufgestellt sind, dass sie diesen Gegenwind eine Weile aushalten könnten („This time is different“). Ob diese Argumentationskette von Wirtschaftshistorikern geteilt wird, ist allerdings fraglich.

Als globale Investoren in mehreren Anlageklassen nehmen wir alle diese Meinungsströmungen wahr. Dabei halten wir uns streng an das Zitat des antiken griechischen Staatsmannes Perikles, der gesagt haben soll: „Es ist nicht unsere Aufgabe, die Zukunft vorauszusagen, sondern darauf vorbereitet zu sein“.

Diesen Schwellenländern droht die Havarie

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K(l)eine Grippe für den Kurs – Wochenrückblick KW8

Tops und Flops der Emerging Markets

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Das griechische Dilemma

D_Hardt

Daniel Hardt (Fondsmanager G|D|W)

Verwundert blickt so mancher Anleger in diesen Tagen nach Griechenland sowie Rest-Europa und fühlt sich ein wenig an das Gefangenen-Dilemma aus dem Bereich der Spieltheorie erinnert. Zwei Spieler, Griechenland und die anderen Länder der Eurozone, hätten die Möglichkeit zu kooperieren und zusammen konstruktiv auf das bestmögliche Ergebnis in Summe für beide Seiten hinzuarbeiten. Das würde ein externer Beobachter zumindest erwarten, da im Gegensatz zum Gefangenen-Dilemma beide Spieler offen miteinander kommunizieren können und das gemeinsame Ziel, ein wettbewerbsfähiges Griechenland und eine prosperierende Eurozone, anstreben.

In diesem Duell läuft es aktuell aber eher darauf hinaus, dass die beiden Beteiligten einen unterschiedlichen Weg hin zum Ziel favorisieren, um ihre jeweilige Situation zu optimieren. Griechenland ist überzeugt, dass eine wirtschaftliche Verbesserung nur über eine nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik (d.h. weniger Sparen) möglich ist, die Gläubigerstaaten befürchten nicht ganz zu Unrecht, durch eine nachgiebigere Haltung Nachahmer auf den Plan zu rufen und somit eine Art Büchse der Pandora zu öffnen. All dies sorgt bereits für Verunsicherung an den griechischen Kapitalmärkten und bei griechischen Kontoinhabern, was schnell zu einem schweren wirtschaftlichen Schaden für alle Beteiligten führen kann. Es ist daher dringend erforderlich, dass sich alle Beteiligten den Ernst der Lage vor Auge halten und sich einer kurzfristigen Lösung nicht verschließen. Eine langfristige, tragfähige Lösung für beide Seiten, wie auch immer diese aussehen mag, kann ohnehin nur in Ruhe und ohne Drohkulisse gefunden werden. Diese sollten der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis (Professor und Autor mehrerer Bücher über die Spieltheorie) und die Finanzminister der übrigen Länder der Eurozone dann einvernehmlich tragen.

Als Anleger mag man nun etwas macht- und ratlos auf dieses europäische Duell schauen, es sollte aber wahrlich Niemanden dazu verleiten, in Schockstarre zu verharren. Gerade in Zeiten erhöhter Kursschwankungen kommt es auf einen kühlen Kopf und ein solides Risikomanagement im Portfolio an. Sie entscheiden über Erfolg und Misserfolg. Darüber hinaus ermöglicht ein über mehrere Assetklassen breit diversifiziertes, globales Portfolio auch an Trends jenseits des Epizentrums Euroraum zu profitieren…

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