Fondsmanager im Fokus: Zinsanhebung im Juni – oder nicht?

Daniel Hardt (Fondsmanager Gauly | Dittrich | van de Weyer)

Daniel Hardt (Fondsmanager GDW)

Aufmerksame Verfolger der US-amerikanischen Notenbankpolitik fiebern dem 15. Juni entgegen, dem Tag, an dem die Federal Reserve ihre nächste Zinsentscheidung bekannt geben wird. Schenkt man den am Geldmarkt eingepreisten Erwartungen Glauben, liegt die Wahrscheinlichkeit für eine Zinsanhebung im kommenden Monat, heute, einen Tag nach der Veröffentlichung der Protokolle der April-Sitzung der Federal Reserve, bei 32%. Mit Blick auf die letzten Tage hat sich die eingepreiste Wahrscheinlichkeit für eine Zinsanhebung bei der nächsten Federal Reserve Sitzung deutlich erhöht. Lag diese vor drei Tagen gerade mal bei 4%.

Das Verhältnis zwischen den US-Notenbankanalysten, die laut Nachrichtendienst Bloomberg eine Zinserhöhung im nächsten Monat prognostizieren und denjenigen, die von einer Beibehaltung des Leitzinses in Höhe von 0,5% ausgehen, war dagegen vor der Bekanntmachung der Sitzungsprotokolle relativ ausgewogen: Es lag und liegt aktuell bei 1:2. Da allerdings die neue Veröffentlichung noch nicht berücksichtigt wurde, wirkt diese Einschätzung noch eher konservativ, angesichts der möglichen Szenarien, die in den letzten Tagen von ausgewählten Fed-Vertretern wie z.B. Dennis Lockhart (Fed Atlanta) oder John Williams (Fed San Francisco) in Interviews angedeutet wurden.

Als vornehmlich regelbasierter Asset Manager veröffentlichen wir keine eigenen Vorhersagen zu Leitzinsentwicklungen in einzelnen Wirtschaftsregionen. Es ist vielmehr Teil unserer täglichen Arbeit, Diskrepanzen zwischen der eingepreisten Markterwartung und der möglichen Eintrittswahrscheinlichkeit eines Ereignisses, wie z.B. einer Notenbankentscheidung, einer Wirtschaftskennzahl oder einer Unternehmenseinschätzung, aufzuspüren und zu analysieren. Die gewonnenen Erkenntnisse können anschließend je nach Ausgestaltung des Investmentansatzes eines Mandates zu aktiven Investmententscheidungen führen bzw. im Risikomanagement, z.B. einer Momentumstrategie, Berücksichtigung finden.

Im Falle der Leitzinsentscheidung der Federal Reserve am 15. Juni war und ist für uns eine solche Diskrepanz momentan (noch) gegeben. Einige US-Notenbank-Gouverneure ließen in den vergangenen Tagen verlautbaren, dass sich die Wirtschaftsdaten in den USA wieder deutlich verbessert hätten und jede Sitzung der Federal Reserve ein „Live Meeting“ sei. Letzteres ist für uns ein Hinweis, dass die aktuelle Datenlage einbezogen wird und eine Zinsanhebung in den nächsten Monaten durchaus vorstellbar wäre. Einzig ein Kommentar der Präsidentin Janet Yellen fehlt aktuell noch. Sie wird erst wieder am 27. Mai an der Harvard University sprechen.

Für unsere Entscheidungsfindung im Portfoliomanagement ist dabei die eigentliche Zinsentscheidung der Federal Reserve in vier Wochen eher zweitrangig. Viel wichtiger ist für uns die zukünftige Entwicklung der Markterwartung der Akteure am Kapitalmarkt, da diese einen direkten Einfluss auf die US-amerikanische Zinskurve, die globalen Aktienmärkte und den Wechselkurs zwischen Euro und US-Dollar hat. In der vergangenen Woche ließen Notenbankanalysten und Kommentare von Federal Reserve Offiziellen eine Zinsanhebung im Juni als durchaus möglich erscheinen, die Kapitalmarkterwartungen spiegelten dies allerdings nicht wider. Hier lag folglich die Chance bzw. das Risiko, dass sich das Meinungsbild der Kapitalmarktakteure zeitnah anpassen würde. Dieser Prozess hat aus unserer Sicht gerade begonnen.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit führen steigende Leitzinserwartungen auch zu steigenden Zinsen bei
US-Anleihen mit längeren Laufzeiten, einem Wertanstieg des US-Dollars und zu fallenden Aktienmärkten. Besonders letzterem wird auch eine Bedeutung als „Druckmittel“ gegenüber der Geldpolitik der Federal Reserve eingeräumt. Wir haben daher in der letzten Woche damit begonnen, alle Risikopositionen, die von dem skizzierten Szenario signifikant betroffen sein könnten, einer Neueinschätzung zu unterziehen. Dies halten wir insbesondere in weniger risikotoleranten Mandaten für ratsam. Auch wenn im Juni die Zinserhöhung ausbleiben sollte, liegen die Markterwartungen für eine Leitzinsanhebung in den verbleibenden Monaten des Jahres 2016 gerade einmal bei 74%.

Wochenrückblick KW18

Quint:Essence Capital – Hinter den Kulissen: Nach der Wahl kommt der Schuldenschnitt

Das Wall Street Journal nennt Bedingungen des IWF für seine Teilnahme am dritten griechischen Hilfsprogramm: Die Griechenlandkredite sollen zwischen 2040 und 2080 fällig werden, Festschreibung der Zinsen auf 1,5%, Zahlung von Zinsen und Tilgung erst bei Fälligkeit. De facto ein Schuldenschnitt. Die Bundesregierung verhandelt angeblich mit dem IWF um Aufschiebung dieser Kreditrestrukturierung bis nach der Bundestagswahl 2017. 
 
Autor: Thomas Gerber
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Quint:Essence Capital: Fondsmanager bewertet Apple Aktie

Apple Inc.Langeweile? Ein Fremdwort an den Aktienmärkten. 8 % Volatilität im April allein beim DAX sind das genaue Gegenteil davon. Ein wahres Eldorado für Daytrader – aber nur für solche mit glücklicher Hand. Ohne Frage – die Übertreibungen, die ein derart angespanntes Marktumfeld zwangsläufig mit sich bringt, können enorme Anlagechancen bieten. Aber auch der Anlass für große Verluste sein. Wer dieses Roulette nicht spielen will, sondern sich als langfristiger Investor versteht, beherzigt zwei Dinge: 1. Sorgfältige Analyse und 2. Diszipliniertes Handeln. Beides gepaart mit starken Nerven ist langfristig ein Erfolgsgarant.

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Dax geht vierstellig aus dem Handel

Positive Konjunkturdaten hoben das deutsche Börsenbarometer über die psychologisch wichtige Schwelle von 10.000 Punkten. Erst kurz vor Börsenschluss ging…

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Quelle: Handelsblatt / Reuters / dpa / 09.05.2016

Fondsmanager im Fokus: Rohstoffe und Notenbanken im Fokus

Daniel Hardt (Fondsmanager Gauly | Dittrich | van de Weyer)

Daniel Hardt (Fondsmanager GDW)

Der April bescherte Kapitalanlegern ein Wechselbad der Gefühle: Nach einem eher verhaltenen Monatsstart an den Aktienmärkten, der schon erste Zweifel an der Nachhaltigkeit der Aktienmarktrallye des Vormonats hervorrief, schloss sich eine Phase hoher Nachfrage nach risikobehafteten Anlagen an. Dabei galt einmal mehr die signifikante Erholung an den Rohstoffmärkten als Hauptgrund für die aufkommende Aktienmarkteuphorie. Diese stützte sich auf die Hoffnung, dass steigende Rohstoffpreise womöglich ein Hinweis auf eine Verbesserung der globalen Konjunkturlage sein könnten und gleichzeitig zur Entspannung der Haushaltslage in vielen Rohstoffexportländern führen würden.

Es lohnt sich, einen zweiten Blick auf die Monatsperformance der Rohstoffmärkte zu werfen, die noch vor wenigen Monaten undenkbar erschien und angesichts des Scheiterns der OPEC-Verhandlungen im April auch ein wenig verwundert: US WTI Erdöl stieg im vergangenen Monat um fast 20%, Erdöl der Sorte Brent um ca. 16%, Silber konnte ebenfalls über 15% zulegen und auch ein Agrarrohstoff wie Mais stieg um ca. 11% im Preis. Insgesamt stieg der breit diversifizierte CRB-Rohstoffindex im April um über 8%. Die Profiteure dieser Bewegung waren einerseits Unternehmen aus dem Energie- und Rohstoffsektor wie z.B. BP oder BHP Billiton, andererseits profitierten aber auch klassische Rohstoffländer wie Brasilien, Kanada oder Russland von dieser Wiederbelebung.

Die Frage, ob es sich dabei um eine nachhaltige Erholung der Rohstoffmärkte handelt, stellt sich für uns nur bedingt, da wir als regelbasierter Asset Manager einen starken Fokus auf Momentumstrategien und Risikomanagement setzen. Ausgeprägte Markttrends stellen für uns grundsätzlich eine Investmentchance dar. Eine Investition hingegen kommt nur dann in Frage, wenn das Risikoprofil erfolgversprechend und beherrschbar ist. Dies trifft nach unseren Analysen aktuell eher auf solche Aktienmärkte mit direkter Verbindung zu den Rohstoffmärkten zu. Diese sind jedoch nur bedingt effizient, d.h. dass auch viele Investoren, ähnlich wie wir, bei der Informationsverarbeitung nicht immer effizient agieren können. Das liegt daran, dass nicht alle relevanten Informationen immer umfassend vorliegen (z.B. Verhandlungen der OPEC) und die Bestimmung eines fairen absoluten Preisniveaus, z.B. für Erdöl, nicht einfach ist. Neue Informationen werden infolgedessen nicht sofort wertgemäß im Preisniveau widergespiegelt, sondern es bedarf einer gewissen Zeitperiode zur Kursanpassung. Diese Situationen versuchen wir über unsere regelbasierten Strategien zu nutzen, wobei das Risikomanagement einen zentralen Faktor darstellt. Aus rein ökonomischer Sicht lässt sich die Rallye am Rohstoffmarkt nicht vollständig erklären.

Ähnlich schwierig ist die Prognose der zukünftigen Notenbankpolitik. Diese kann durch unvorhergesehene Aktionen zu Strukturbrüchen am Kapitalmarkt führen und ist deshalb aus unserer Sicht ein zentraler Faktor für unser Risikomanagement. Aktuell nimmt die Notenbankpolitik eher eine Nebenrolle in den täglichen

Marktanalysen ein, da die großen Zentralbanken aus Europa, den USA und Japan in einen Modus des Abwartens und Analysierens übergegangen sind. Die amerikanische Federal Reserve dürfte angesichts der Abwertung des US-Dollars gegenüber den wichtigen Handelspartnern der USA in den letzten 12 Monaten etwas aufatmen. Die sich verschlechternden Kreditvergabestandards und der weitere Rückgang der Unternehmensgewinne weisen u.U. schon auf neue Probleme in den USA hin. Die Unterstützung der Exportwirtschaft kommt daher gelegen und sollte durch überhöhte Erwartungen an zukünftige Zinserhöhungen nicht behindert werden.

Die europäische und die japanische Zentralbankpolitik wirkt dagegen tendenziell erschöpft, da es immer extremerer Maßnahmen bedarf, um die Geldpolitik noch expansiver zu gestalten und eine nachhaltige Aufwertung der eigenen Währung zu unterbinden. Es bleibt daher abzuwarten, ob von der Europäischen Zentralbank nach den bisherigen Anleihenkaufprogrammen, den unbegrenzten Liquiditätszufuhren, den Minuszinsen und nicht zuletzt dem Versprechen an die Geschäftsbanken, ihnen Geld zu leihen, wenn sie es als Kredite an Kunden weiterreichen (TLTRO II), in naher Zukunft noch weitere Maßnahmen zu erwarten sind. Für unser Risikomanagement bedeutet dies eine fortgesetzte Phase erhöhter Wachsamkeit.

Der Höhenflug geht weiter

Europas Gemeinschaftswährung hat einen Lauf. Am Dienstag setzt sich der Kursanstieg des Euros fort. Das hat weniger mit eigener Stärke zu tun als mit der…

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Quelle: Handelsblatt / dpa / 03.05.2016