FLASKAMP INVEST: Den Aktienmarkt verstehen

Christian Exner, Fondsmanager

Christian Exner, Fondsmanager

Flaskamp Invest konnte mit seinem Flaggschiff-Fonds, dem Kapital All Opportunities Fonds 2016, bisher eine Rendite von rund sechzehn Prozent generieren. Das Team verfolgt einen Value-Ansatz, geht selektiv vor und investiert ausschließlich in exzellent geführte, Cashflow-starke Unternehmen, die attraktiv gepreist sind. Das GELD-Magazin interviewte im Oktober 2016 Herrn Flaskamp und Herrn Exner zum Fonds und zu Ihrer Strategie.

GELD-Magazin: Sie gehen bei der Aktienselektion extrem diszipliniert vor.Welches Analyse­modell verfolgen Sie und welche Sektoren stehen explizit im Fokus?

Christian Exner: Wir haben ein quanti­tatives Modell entwickelt, das wie ein Filter arbeitet und das gesamte Aktienuniversum nach passenden Kandidaten durchforstet. Inves­tiert wird aber nur, wenn wir die Unternehmen nach unserer Analyse auch tatsächlich vollum­fänglich verstanden haben. Beispielsweise sind Banken u.a. aufgrund fehlender Transparenz und Bewertbarkeit ein Tabu für unser Port folio. Eine Übergewichtung von Einzelsektoren sowie zyklische Geschäftsmodelle meiden wir ebenfalls. Auf Einzeltitelebene lassen wir eine Gewichtung bis zu fünf Prozent zu.

Wie verhalten Sie sich in „teuren“ Aktien­phasen? Wie begegnen Sie dem Risiko eines Kursverlustes?

Christian Exner: Unsere Bewertungs­annahmen sind stets konservativ und an der nachhaltigen Ertragskraft orientiert. Entspre­chend verkaufen wir in „teuren“ Marktphasen diszipliniert die „voll bezahlten“ Unternehmen, bauen Kassa auf und rüsten so das Portfolio für unruhige Zeiten. So schaffen wir strategische Kaufkraft, um zum einen ein Börsengewitter ohne große Performanceverluste zu überstehen und zum anderen im Anschluss zu vernünf­tigen Preisen einsteigen zu können (z.B. nach dem Brexit).

Dr. Jürgen Flaskamp – Verwaltungsrat der Flaskamp Invest S.A.

Viele Fondsmanager klagen über die Schwächen des Kapitalmarktes. Sie nützen ge­rade diese aktiv.Wie sieht hier ihr Ansatz aus?

Jürgen Flaskamp: An der Börse wird nicht immer rein auf die Zahlen geschaut. Häufig mi­schen sich Emotionen wie Angst und Gier in die Entscheidungsfindung. Hier helfen uns Prozesse aus dem Behavioral Finance­-Ansatz. Lösen sich Übertreibungen vom tatsächlich fundamen­talen Bild, nutzen wir diese Fehlbewertungen gezielt. Wir gehen hier sehr mathematisch vor. Welcher Cashflow wird heute eingepreist, was heißt das für die zu erwartenden Umsätze und Erträge etc. Diese Marktannahmen vergleichen wir dann mit dem tatsächlichen fundamentalen Bild. So können wir ableiten, wo Fehleinschät zungen vorliegen und sich Investmentchancen nutzen lassen. Es ist dann nur eine Frage der Zeit, wann sich eine Fehlbewertung im Sinne eines steigenden Aktienkurses auflöst.

Wie gehen Sie bei der Analyse und Bewertung der Unternehmen vor?

Christian Exner: Über das veröffentlichte Zahlenmaterial (Jahresabschlüsse etc.) erzählt jedes Unternehmen eine Geschichte über die Qualität des Geschäftsmodells, Stärken und Schwächen sowie die Leistungskraft des Ma­nagements. Offene Fragen diskutieren wir direkt mit dem Unternehmen. Im Fokus steht der Kapitalallokationsprozess – also die Fra­ge, ob die freien Mittel im Unternehmen stets wertschaffend eingesetzt werden. Eine gute Kapitalallokation macht ein Unternehmen krisensicher und ist die Saat für zukünftigen Geschäftserfolg.

Wie aussagekräftig ist aus ihrer Sicht die Bilanzkenngröße Cashflow?

Christian Exner: Im Gegensatz zu Gewinn­größen wie EBITDA, offenbart der Cashflow ein unverfälschtes Bild der tatsächlichen Leis­tungskraft eines Unternehmens. Es ist so nicht von Banken abhängig, kann aus eigener Kraft wachsen und ist selbst in Krisen handlungs fähig. Zudem eignet sich die Entwicklung des Cashflows im Zeitverlauf hervorragend, um die Leistungsfähigkeit des Managements zu beurteilen. Viel wichtiger noch: Es lässt sich empirisch nachweisen, dass Cashflow­-starke Unternehmen einen klaren Renditevorteil für Investoren liefern.

Wie lautet ihre persönliche Definition von optimaler Portfoliosteuerung?

Jürgen Flaskamp: Starre Investitionsquo ten liegen uns fern. Unsere Portfolioallokation „atmet“ mit der Anzahl an investierbaren Unternehmen. Investierbar ist ein Unternehmen nur dann, wenn es all unsere anspruchsvollen Qualitäts-­ und Bewertungskriterien erfüllt. Hier gibt es keine Ausnahmen! Gibt es nicht genügend Opportunitäten, investieren wir nicht und bevorzugen kassennahe Vermögens­ werte. So schaffen wir es weitestgehend, einen marktphasenunabhängigen Ansatz zu fahren. Im Gegensatz zu Wettbewerbern, die meistens stark long only denken, kann bei uns die Kassa sehr hoch sein. Diese starke Flexibilität ist für eine eher unruhige Zukunft der bessere Ansatz.

Originalartikel auf: http://www.geld-magazin.at/flipBooks/gm1610/gm1610.html#40

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